Ursula Hacker

„Der erste Kuss mit 14 – ich war im siebten Himmel...“.

Ursula Hacker

Ursula Hacker ist 1946 geboren und in Wien in einem Gemeindebau in der Nähe des Karl Marx Hofs aufgewachsen. Ihr Vater, ein ehemaliger Soldat der Waffen SS, war ausgesprochen streng. Auch mit der Mutter gab es kein gutes Verhältnis. Das allgemeine Klima im Elternhaus war eher gewalttätig.

1960, mit vierzehn Jahren, beginnt sie als Lehrling in einem Blusengeschäft im 1. Bezirk zu arbeiten, obwohl sie eigentlich lieber weiterhin zur Schule gegangen wäre. Dort hat sie das erste Mal ein intimes Erlebnis mit einer Frau – ihrer Lehrherrin – und „Schmetterlinge im Bauch, und das alles mit 14 und zu der damaligen Zeit!“ Dieses Erlebnis, das erste von vielen, bestärkt sie in ihren Gefühlen, die sie schon als Mädchen verspürt hat.

Mit 16 Jahren „outet“ sie sich bei ihrer Mutter, die ihr Vertrauen missbraucht und es der gesamten Verwandtschaft erzählt. Da das Leben zuhause sowieso schwer erträglich ist, geht sie mit 18 für ein Jahr als Aupair nach Finnland. „1965 war das. Ich hab aber leider festgestellt, dass dort die Frauen auch nicht mit einem Stempel herum rennen auf dem steht: bin lesbisch und noch zu haben und hab auch keine Bars oder sonst irgendwas entdeckt und hab auch keine Menschen getroffen, die mir sonst irgendwie weiter helfen hätten können. Dann bin ich wieder nach Wien zurück.“
1969 beschließt sie, dass sie ein Kind haben möchte und wird schwanger.
Kurz darauf heiratet sie einen schwulen Bekannten, um einen Deckmantel für ihre lesbischen Beziehungen zu haben.
1977 zieht sie mit ihrem Sohn nach Brüssel zu ihrer damaligen Freundin und arbeitet dort viele Jahre bei einer EU Institution. Heute ist sie in Pension und lebt mittlerweile wieder single in Wien.